Serien
Winterlaufserien in Deutschland: welche es gibt und was sie trennt
Drei bis vier Wettkämpfe über die kalten Monate, eine Gesamtwertung, und Bedingungen, die niemand planen kann. Die Serien ähneln sich im Prinzip und unterscheiden sich in fast allem, was für die Vorbereitung zählt.
Was eine Serie von einem einzelnen Lauf unterscheidet
Ein Volkslauf im Frühjahr ist ein Termin, auf den hin trainiert wird. Eine Winterlaufserie ist etwas anderes: drei oder vier Läufe im Abstand von zwei bis vier Wochen, mit einer Wertung über alle Starts. Damit verschiebt sich die Aufgabe von der einzelnen Höchstleistung zur Gleichmäßigkeit — wer im ersten Lauf alles gibt und im zweiten einbricht, steht in der Gesamtwertung schlechter da als jemand, der drei solide Läufe hintereinander bekommt.
Der zweite Unterschied ist das Wetter, und zwar als Systemeigenschaft, nicht als Pech. Bei einem Termin im Mai lässt sich auf gute Bedingungen hoffen. Zwischen Januar und März ist Nässe, Wind und Bodenfrost der Normalfall, und die Serien sind darauf ausgelegt: kurze Rundkurse, gut erreichbare Startorte, selten mehr als eine Handvoll Kilometer zwischen Start und Ziel. Abgesagt wird fast nie.
Für die Vorbereitung folgt daraus eine unbequeme Konsequenz. Die Grundlage für eine Winterserie entsteht im Herbst, nicht im Januar — in den Wochen, in denen die Bedingungen am wenigsten dazu einladen. Was dabei praktisch zu beachten ist, steht unter Laufen im Herbst, und die Umfänge dafür im Marathontraining.
Die Serien im Vergleich
Fünf Serien, fünf Formate. Die Spalte, die für die Planung am meisten aussagt, ist nicht das Zeitfenster, sondern die Distanzstaffel: sie entscheidet, ob im Dezember noch eine Grundlagenphase möglich ist oder schon Tempoarbeit ansteht.
| Serie | Region | Zeitfenster | Läufe | Distanzen | Untergrund |
|---|---|---|---|---|---|
| Winterlaufserie Bremen | Bremen / Nordwest | Januar bis März | 3 | ca. 5 km · ca. 10 km | Parkwege |
| Winterlaufserie Hamm | Nordrhein-Westfalen | Ende Januar bis Ende Februar | 3 | 10 km · 15 km · Halbmarathon | amtlich vermessene Straßen- und Parkstrecken |
| Winterlaufserie Wilhelmsburg | Hamburg | Januar bis März | 3 | 5-km-Runde, ein- bis viermal | Rundkurs im Inselpark |
| Winter-Straßenlaufserie Drelsdorf | Nordfriesland / Schleswig-Holstein | Januar bis Anfang Februar | 3 | 5 km · 10 km · 15 km · 21,1 km | Straßen durch die Feldmark |
| Augsburger Winterlaufserie | Bayern | November bis Mitte Dezember | 4 | ca. 2,8 km (Jugend) · ca. 9 km · 9,9 km · 9,6 km | Wald- und Crossstrecken |
Zu den Terminen Angegeben ist das Zeitfenster und die zuletzt gelaufene Auflage, nicht ein Datum für die kommende Saison. Die Termine wandern von Jahr zu Jahr um mehrere Wochen, und die Veranstalter veröffentlichen sie unterschiedlich früh.
Die Serie im Bremer Bürgerpark als Ausgangspunkt
Winterlaufserie Bremen ist die Serie, um die dieser Kalender herum entstanden ist: drei Läufe im Vierwochenrhythmus zwischen Januar und März, gelaufen auf den Wegen des Bürgerparks, flach über die gesamte Distanz. Die 46. Auflage lief am 18.01.2026, 01.02.2026 und 01.03.2026. Geführt wird sie inzwischen als hkk-Winterlaufserie, nachdem sie über Jahrzehnte unter dem Namen AOK-Winterlaufserie bekannt war — am Format hat der Wechsel nichts geändert, und in Ergebnislisten und Vereinsarchiven ist die alte Bezeichnung weiterhin verbreitet.
Alle Termine der Serie samt Startzeiten und Distanzen stehen im Laufkalender, die Runden für die Vorbereitung unter Laufstrecken in Bremen.
Wie eine Gesamtwertung zustande kommt
Die Wertung ist der Grund, warum eine Serie mehr ist als drei Läufe im selben Winter, und sie folgt bei allen hier geführten Serien demselben Prinzip: gewertet wird über die Summe oder den Durchschnitt der Einzelergebnisse, und wer nicht genug Starts hat, erscheint gar nicht in der Gesamtliste. Wie viele Läufe das sind, unterscheidet sich — bei drei Läufen ist es in der Regel die vollständige Teilnahme, bei vier genügt oft einer weniger.
Das hat eine Folge, die im Januar oft unterschätzt wird. Ein einzelner ausgefallener Lauf kostet nicht Plätze, sondern die Wertung insgesamt, und ausgefallen ist er auch bei einer Erkältung in der falschen Woche. Wer eine Gesamtwertung anstrebt, plant deshalb defensiver als für einen einzelnen Wettkampf: die ersten Läufe unterhalb des Möglichen, damit der letzte überhaupt stattfindet. Wer dagegen nur einen Lauf braucht, kann jeden einzelnen voll laufen — Einzelstarts sind bei allen Serien möglich.
Was in einer Ausschreibung nachzusehen ist
Drei Angaben entscheiden darüber, ob eine Serie zum eigenen Winter passt, und keine davon steht im Namen. Erstens die Mindestzahl an Starts für die Wertung. Zweitens der Abstand zwischen den Läufen: zwei Wochen sind bei gleicher Distanz machbar und bei steigender Distanz eng. Drittens die Startzeit — im Januar entscheidet sie darüber, ob der Rückweg im Hellen liegt. Alles Weitere, von der Verpflegung bis zur Nachmeldung, ist Komfort.
Was die anderen Serien anders machen
- Winterlaufserie Hamm (Nordrhein-Westfalen) — Die einzige Serie mit steigender Distanz von Lauf zu Lauf und der einzige Halbmarathon im Feld. Die Strecken führen durch die Lippeaue und den Kurpark in Bad Hamm.
- Winterlaufserie Wilhelmsburg (Hamburg) — Formal die ungewöhnlichste Serie: gelaufen wird ein 5-km-Rundkurs, und jede Teilnehmerin entscheidet innerhalb eines Zeitlimits von 2,5 Stunden selbst, wie viele Runden es werden.
- Winter-Straßenlaufserie Drelsdorf (Nordfriesland / Schleswig-Holstein) — Die ländlichste Serie im Feld und die mit der breitesten Distanzstaffel — von 5 Kilometern für Schülerinnen und Schüler bis zur Halbmarathondistanz im Hauptlauf.
- Augsburger Winterlaufserie (Bayern) — Die einzige Serie, die im Herbst statt im Winter läuft, und die mit dem meisten Geländeanteil. Zum Abschluss steht Mitte Dezember der Weihnachtslauf.
Wer eine Serie außerhalb der eigenen Region laufen will, prüft am besten zuerst zwei Dinge: ob die Gesamtwertung eine Mindestzahl an Starts verlangt, und wie weit die Läufe auseinander liegen. Bei einem Zweiwochenrhythmus mit steigender Distanz — wie in Hamm — ist der zweite Lauf bereits eine Belastung, von der der dritte betroffen ist.
Häufige Fragen zu Winterlaufserien
Was ist eine Winterlaufserie?
Eine Serie von meist drei bis vier Wettkämpfen über die Wintermonate, bei der eine Gesamtwertung über alle Läufe gebildet wird. Gelaufen wird bei den Bedingungen, die der Tag hergibt — Absagen sind selten, weil kein Zeitplan von einem einzelnen Datum abhängt.
Wann finden Winterlaufserien statt?
Der Großteil liegt zwischen Januar und März, in Zwei- oder Vierwochenabständen. Die Augsburger Serie ist die Ausnahme: sie läuft von November bis Mitte Dezember und ist damit eher eine Herbstserie.
Welche Distanzen werden gelaufen?
Zwischen 5 und 21,1 Kilometern, je nach Serie. Hamm steigert von Lauf zu Lauf bis zum Halbmarathon, Wilhelmsburg lässt die Distanz offen und Bremen bleibt bei den kürzeren Strecken im Park.
Muss man alle Läufe einer Serie mitlaufen?
Nein. Ein Start ist überall auch einzeln möglich; in die Gesamtwertung kommt nur, wer die geforderte Zahl an Läufen absolviert. Die Ausschreibung der jeweiligen Serie regelt das.
Warum sind hier keine Termine für die kommende Saison genannt?
Weil sie von Jahr zu Jahr um Wochen abweichen und die Veranstalter sie unterschiedlich früh veröffentlichen. Genannt ist deshalb das Zeitfenster und die zuletzt gelaufene Auflage — ein geschätzter Tag wäre für die Planung schlechter als eine fehlende Angabe.
Sind Winterlaufserien für Einsteiger geeignet?
Die kürzeren Läufe ja, sofern 5 Kilometer durchgelaufen werden können. Die Serien mit Halbmarathon am Ende setzen einen Aufbau über den Herbst voraus, nicht den Entschluss im Januar.